Berichte und Bilder
SchweizerSeenTour 2011: Grenzen er-fahren: Gigantische Erlebnisse auf Pässen, an Seen und in den Bergen für 27 Teilnehmende an der SchweizerSeenTour 2011 des ejww (Evang. Jugendwerk Weil der Stadt)
Acht Mädchen und 19 Jungs trafen sich am ersten Abend der Sommerferien am Evangelischen Gemeindehaus neben der Brenzkirche in Weil der Stadt. Ihre Räder, Zelte und Gepäck wurden in einen großen Hänger verladen. Am Tag darauf ging es früh am Bahnhof ab und mit S-Bahn und Zug bis Radolfzell am Bodensee, wo schon der entladene Hänger mit Begleitfahrzeug wartete: die Tour konnte beginnen.
Zunächst ging es um den Zeller See und am Seerhein abwärts über Stein am Rhein und weiter bis zum Rheinfall in Schaffhausen. Anschließend führte die Strecke weiter bis Flaach, wo nach 67 km und knapp 400 hm die erste Tagesetappe endete. Da auf der Zeltwiese Fahrzeuge verboten wurden, galt es am Abend und am nächsten Morgen noch ein paar Extra-Höhenmeter zu überwinden, weil das Wohnmobil mit den Kühlboxen auf einer höheren Terrasse parken musste.
Der Samstag begann nach Frühstück und Einpacken mit der ersten Morgenrunde. An den Radtagen stand jeweils eine Wassergeschichte auf dem Programm; zum Auftakt ging es um das Wasser - als Tohuwabohu vor Beginn der Schöpfung beschrieben, ebenso aber als Wasser, das in der trockenen Wüste Leben spendet.
Die ersten Schweißtropfen wurden dann beim Aufstieg nach Berg am Irchel vergossen, bevor es wieder abwärts ging ins Tösstal und im großen Bogen um Winterthur zum Technorama. Hier stellte sich heraus, dass die meisten aus der Gruppe schon mehrfach da gewesen waren und sich lieber beim Einkaufen in Winterthur vor dem Wochenende und dem Schweizer Nationalfeiertag am 1.08. ihre persönlichen Spezialvorräte auffüllten. Entsprechend früh war der Großteil der Gruppe an in Saland beim Zeltplatz, der wieder an der Töss gelegen war. Trotz der eiskalten Wassertemperaturen erfreuten sich Tauchwettbewerbe ziemlicher Beliebtheit, und am Abend war noch genügend Energie für Spontantheater vorhanden, bevor es dann zeitig ins Bett ging: am Sonntag standen die ersten größeren Berge bevor.
Gedanken an den Auszug des Volkes Israel begleiteten die verschiedenen Radgruppen auf diverse Strecken. Manche radelten einfach das Tösstal aufwärts, andere nahmen eine Extratour über Sternenberg oder den Tösswald mit dem Aussichtspunkt Scheidegg mit. Über Wald ging es hinab nach Uznach am Zürichsee und weiter in Richtung Walensee, dann nach Netstal bei Glarus. Hier begann für etwa die Hälfte der Gruppe der lange Aufstieg von 450 m auf knapp 1000 am Obersee und dann nochmals weitere 800 hm bis hinauf auf den Lachengrat. Der Preis war viel Schweiß - aber auch eine traumhafte Abfahrt, 1000 hm am Stück bis hinab an den Klöntaler See, der ansonsten von Netstal aus zu erklimmen war. Zu Recht konnten am Abend alle stolz auf die gefahrene Stecke sein - und es gab viel zu erzählen. Zugleich auch zu bedenken für den nächsten Tag, der dann nach Gedanken zum Schutz, den Gott uns spendet, wie es einst auch vom Propheten Jona berichtet wurde, mit kräftigen Anstiegen eröffnet wurde: entweder hinauf den Pragelpass oder eine schwere Schiebepassage auf die Schwialp (das wollten nur ganz wenige). Wer „etwas mehr“ als die Basisstrecke fahren wollte, bekam spontan die Chance, zwei weitere Berge mitzunehmen - vom zweiten war immerhin bekannt, dass da hinter dem Südzipfel des Vierwaldstätter Sees eine lange Treppenstrecke wartete, bei der man das Rad hunderte Stufen hinauf tragen musste. So kam diese Gruppe dann sogar noch später an als diejenige, die sich stundenlang hinauf auf die Schwialp gekämpft hatte, nach dem Wägitaler See und dem Sattelegg noch den Sihlsee besuchte und das Ibergeregg überquerte. Dann fuhr dieses kleine Team ebenso wie die Hauptgruppe nach Gersau, nahm die Fähre hinüber und war bald schon in Buochs.
Hier stand ein Pausentag auf dem Programm, den die meisten auch in der Nähe verbrachten. Eine kleine Gruppe machte sich auf den Weg ins Melchtal, erstieg sich die Höhen von Melch-, Tannen- und Engstlensee bis hinauf auf den 2207 m hohen Jochpass - und konnte dann einen anspruchsvollen Trail hinunter zum Trübsee fahren. Die vier Seen hinterließen bleibende Eindrücke!
Der Mittwoch platzte mit einem Regenguss in die Morgenrunde zu den Erfahrungen von Elia. Unter dem Vordach des Strandbades nahmen die meisten während des Wartens auf das Regenende einfach das Liedblatt wieder zur Hand und sangen alle Lieder durch, bis die Nässe von oben nachließ. Dann ging es weiter in Richtung Brünigpass. Die Nässe kam zwar immer weniger von oben, aber die feuchten Wege wirbelten genug Wasser auf, sodass Schuhe und Socken auch am Abend noch nass waren. Doch - vorsichtshalber waren auch in Interlaken bereits die Zelte aufgestellt und trocken. Bei Sonnenschein kamen alle an und den Regen am Abend erlebte die Gruppe im großen Zelt, das auch Schutz vor den Schnaken bot, die sich gerne über so manchen hermachen wollten.
Am zweiten Pausentag in Interlaken besichtigten Viele mit Interesse das touristische Aufgebot: Die meisten Besucher, die sich Grindelwald mit Eiger, Mönch und Jungfrau anschauen wollen, kommen ersteinmal nach Interlaken. Entsprechend international sieht das Publikum aus. Aus der Radtourengruppe fuhren einige nach Lauterbrunnen und schauten sich die Trümmelbachfälle an, die auch für Menschen mit vielen Wasserfallerfahrungen höchst beeindruckend sind; andere radelten nach Grindelwald und erkletterten die Kleine Scheidegg auf 2061 m, erlebten wieder einen Spitzentrail hinab nach Wengen - und mussten feststellen, dass auch eine 210er Scheibe bei steilen Abfahrten an ihre Grenzen kommen kann: plötzlich versagte eine Vorderbremse! Doch das ging zum Glück ohne Sturz aus, wie wir auch sonst sehr dankbar sind, dass wir nur wenige Kratzer bekamen und nicht einmal einen Arzt oder ein Krankenhaus aufsuchten mussten.
Der letzte Radtag führte dann in die französische Schweiz hinüber, entweder vom Simmental über den Jaunpass oder über den Blumensteinwald und das Sensental zum Schwarzsee und über Charmey nach Gumefens am Lac de la Gruyère. Der Übergang in das französische Gebiet war deutlich zu spüren, nicht nur sprachlich. Verschiedene Komplikationen an Rädern und mit der Strecke ergaben ein spätes Abendessen: dieses wurde immer weiter hinausgeschoben, und nachdem etwas nach 21 Uhr endlich mit der Ausgabe begonnen wurde, kamen auch bald vollends die letzten müden Radler auf dem Campingplatz an. Entsprechend spät wurde es dann auch - und außerdem gab es am letzten Abend verständlicherweise noch so manches zu bereden. Die Einzelnen hatten je nach gewählten Varianten zwischen 430 km und 4800 bzw. 11.000 hm bewältigt. Das Leitungsteam war sehr beeindruckt davon, wie die Einzelnen mit ihren Grenzen und Kräften umgingen, wie gut sie sich einschätzen konnten: nicht ein einziges Mal musste jemand unterwegs vom Wohnmobil abgeholt werden, sondern es kamen alle, die sich morgens auf die Räder setzten, auch abends aus eigenen Kräften an. Ein großes Kompliment an Alle!
Am Samstag gab es abschließende Gedanken zu den oft unsichtbaren „Wasserzeichen“, die sich manchmal in unserem Leben auch von Gott her zeigen. Dann hieß es ein letztes Mal die Räder nach Bulle zu besteigen, wo wieder alles seinen Platz im Hänger fand. Um 18 Uhr abends waren alle wieder pünktlich in Weil angekommen, glücklich und erfüllt über die Erlebnisse der vergangenen neun Tage, dankbar zugleich für die vielen guten Erfahrungen mit der Gruppe, die oft wie Geschenke waren.
Pfr. Albrecht Fischer-Braun
Bilder von der SchweizerSeenTour 2011
Bilder von der Skifreizeit imMÄrz 2011
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Besuch in Blankenberg im Oktober 2010
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Bodensee-Königssee-Tour 2010: Von Lindau an den Öschlesee bei Kempten, über den Plan- zum Kochelsee, weiter über den Achen- zum Walchsee und schließlich an den Königssee
Extra früh ging es los am zweiten Sommerferientag: um 6.19 Uhr startete die S-Bahn nach Stuttgart mit dem größten Teil der insgesamt 38 Leute (29 Teilnehmende und neun Begleitpersonen um Pfr. Fischer-Braun), die bei der Seentour am Nordrand der Alpen dabei waren.
Für den ersten Tag waren ca. 70 km vorgesehen, weil es keinen näher gelegenen und geeigneten Campingplatz gegeben hatte; deshalb sollte es auch zeitig in Lindau am Bodensee losgehen. Doch trotz Zusicherung des Zugbegleiters, er habe beim Regionalexpress nach Friedrichshafen Bescheid gegeben, wartete dieser Zug nicht. Dafür die Reisegruppe, die eine volle Stunde auf die Weiterfahrt an den Bodensee ausharren musste. Derweil war das Gepäck und die Räder in Lindau schon lange aus dem Hänger entladen und bei feuchtkühler Witterung machte sich die Gruppe zunächst gemeinsam auf den Weg in Richtung Kempten.
Beim Anstieg nach Scheidegg teilten wir uns in mehrere Gruppen auf, die dann je für sich den Öschlesee ansteuerten.
Die nicht enden wollenden Allgäuwellen summierten sich am Abend auf über 1400 hm und ließen die müden Beine dann am Abend gerne in den Schlafsack rutschen.
Am Samstag gab es nach dem Frühstück erste Gedanken zu biblischen Reisegeschichten, die an den nächsten Tagen fortgesetzt wurden: wie sich Gott immer wieder selbst auf die Reise macht, wie Abraham und Jakob, Jona und Philippus unterwegs waren und was sie erlebten, setzten die Mitarbeitenden in Beziehung zu den Erfahrungen auf der Radtour.
Dann hieß es die Zelte abbauen und alles verstauen für die zweite Radetappe nach Füssen und hinauf an den Plansee. Die Basisstrecke mit gut 1200 hm wurde von einer Berggruppe auf 1900 hm erweitert, indem sie über Jungholz nach Pfronten fuhr, dann den Falkenstein erkletterte und schließlich noch hinter dem Hohenschwangau auf die Bleckenau hinaufkurbelte, bevor es den schmalen Schützensteig zum Hotel Ammerwald wieder abwärts ging.
Tag drei bot dann wieder unterschiedliche Varianten bis zum Kochelsee – für die einen ging es einfach nur abwärts nach Garmisch, durch das Loisachtal hinaus aus den Bergen und im Bogen um den Kochelsee, während andere das Eschenlainetal durchradelten und dabei die Erfahrung machten, dass ein Hochtal auch recht flott 400 hm bedeuten kann. Wem auch das noch nicht genug war, bog an der Partnachklamm ab, schob nach Vordergraseck hinauf und wählte dann ab Elmau den gigantischen Abstecher auf den Schachen – erst hinauf kaum fahrbar, dann herab wieder genau so steil. Da war es klar, dass vom Abendessen die Reste für diejenigen auf dieser langen Tour (83 km/1800 hm) wohl gehütet werden mussten!
Am Montag war Pausentag mit einem Besuch im Walchseekraftwerk, wo seit über 100 Jahren die Turbinen immer noch zuverlässig Strom erzeugen. Aus dem Baden im See, einer Wanderung oder einem Mountainbike-Trip wurde dann regenbedingt nichts, aber die Stimmung blieb gut. Auch in der zweiten Nacht litten wir allerdings stark unter dem ausdauernden Bassgewummer einiger kaum mehr ansprechbarer Campingplatzgäste – und als das dann gegen 5 Uhr verstummte, war die verbleibenden Schlafzeit doch arg kurz.
Dabei stand am Dienstag so richtig heftig zum Aufwachen gleich der Kesselbergpass auf dem Programm und anschließend entweder die Fahrt am Sylvensteinspeicher vorbei an den Achensee, alternativ die Überquerung des Plumsjoches oder als Königsetappe die Route über das Karwendelhaus auf dem Hochalmsattel und dann nochmals ein zweiter Aufstieg auf das Plumsjoch, insgesamt 105 km und 2100 hm. Und es war schon deutlich kühler als an den ersten Tagen, sodass die Plumsjochüberquerer sich nur kurz für ein Gipfelfoto zusammenstellten und dann gleich weiterrollten hinab nach Pertisau und auf den Campingplatz.
Welch ein Glück, dass für die längste Tagesstrecke – um den Rofan, über Thiersee und durch das Inntal bei Kiefersfelden bis hinauf zum schnuckeligen Walchsee – die Sonne wieder lachte, sodass auch nach 85 km die Laune noch ganz gut war. Ab diesem Tag war das begleitende Wohnmobil allerdings auch gut gefüllt, weil doch einige Knie auf die ungewohnte Belastung mit heftigen Schmerzen reagierten und das Radeln nicht mehr bei allen ging.
In der Nacht setzte dann Regen ein, der zwar eine Vormittagspause am Donnerstag machte, sodass wir die Zelte einpacken und losfahren konnten – aber am Nachmittag regnete es wieder und eigentlich nur noch einmal, bis dann am Samstag auf der Heimfahrt irgendwann wieder die Sonne lachte. Doch erst einmal hieß es im kalten Regen die 30%-Steigung hinauf nach Hirschbichl bewältigen. Danach entschloss sich eine Gruppe den Postbus hinab nach Hintersee zu nehmen, weil es auch auf der deutschen Seite extrem steil und rutschig war. Andere hatten einen Abstecher über Reit im Winkl und die Steinplatte gemacht und kamen entsprechend spät als kleine Gruppe nach knapp 100 km und 2050 hm in Königssee an. Eine mittlere Variante führte über die Litzlalm, wo es wieder mal so steil war, dass außer Schieben gar nichts mehr half.
Nach der Ankunft jedenfalls freuten sich alle über die schönen heißen Duschen – ohne Extrakosten und Zeitbegrenzung half das beim Aufwärmen richtig gut.
Am Abend gab es dann noch als Einstimmung für den Besuch im Dokumentationszentrum Obersalzberg am nächsten Tag den Film „Sophie Scholl“, stilecht im Regen auf ein Leintuch projiziert. Die Eindrücke im Dokumentationszentrum waren intensiv – nach mehr als zwei Stunden wollten noch nicht alle wieder zurück fahren, weil das informative Material so spannend aufbereitet war und die weit verzweigten Bunkeranlagen Einiges erkunden ließen.
Am Freitagabend konnten wir per Bildpräsentation nochmals die Tour mit mindestens 370 km/5451 hm, maximal 518 km/7022 hm von See zu See uns vergegenwärtigen: eine weite Strecke am Nordrand der Alpen, mit vielen tollen Eindrücken.
Am Samstag mussten die Zelte im Regen eingepackt, alle Räder wieder in den Hänger gehängt, gestellt und gepolstert werden, bevor es auf den Heimweg ging. Auch diesmal glänzte die Deutsche Bahn wieder mit einer kräftigen Verspätung, sodass die Eltern, die von der Verschiebung nichts mitbekommen hatten, gleich mit anfassen und beim Ausladen helfen konnten.
Albrecht Fischer-Braun
Bilder von der Famiiienskifreizeit in Gsteig 2010
Besuch von Dekan Frank Morlock und "20 Jahre Lieder unter´m Regenbogen"
Die Predigt im Gottesdienst am 18. Oktober 2009 hielt Dekan Frank Morlock (Tuttlingen), der bis 1998 hier als Gemeindepfarrer tätig war und 1994 den Osterkerzenständer aus Ruanda hierher brachte.
Schon 1989 hatte er nach dem Kirchentag mit einigen Menschen der Gemeinde zu singen begonnen und daraus entstand die Gruppe "Lieder unter´m Regenbogen", die bis heute unter der Leitung von Sigrun Steim singt.
Hier einige Bilder vom Beisammensein im Anschluss an den Gottesdienst, wo auch ein Gruß aus Baden überbracht wurde: Familie Feuchter sang früher hier im "Regenbogen" mit und zog dann um. Nun gibt es an ihrem neuen Wohnort auch schon seit zehn Jahren einen Regenbogenchor, der uns freundliche Grüße zu unserem Jubiläum gesandt hat.
Predigt von Dekan Frank Morlock
Wenn ich Sie frage, liebe Gemeinde, was ist das größte Wunder in der Bibel, was würden Sie antworten?
Das Brot vom Himmel, das Manna in der Wüste? Das Wandeln Jesu auf dem See? Oder die Auferweckung des Lazarus?
Das, so behaupte ich, ist es alles nicht. Das größte Wunder ist die Menschwerdung Gottes. Dieses Wunder ist so unbegreiflich, dass wir ihm mit dem Verstand nie ganz gerecht werden. Im Letzten bleibt es ein Geheimnis. Wie soll man auch begreifen, was im Evangelium des Johannes in einem einzigen Satz steht: „Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns ...“
„Gott ist im Fleische, wer kann dies Geheimnis verstehen? Hier ist die Pforte des Lebens nun offen zu sehen“ – so singen wir in einem alten Weihnachtslied.
„Fleisch“, das meint im biblischen Sprachgebrauch die ganz und gar menschliche Sphäre.
„Fleisch“ heißt, was vergänglich, was schwach und zuweilen ohnmächtig ist.
Und hier beginnt das Unfassbare: Der große und allmächtige Gott, der Schöpfer Himmels und der Erde wird für uns MENSCH. Nicht eine flüchtige Erscheinung, wie die griechischen Götter sich zuweilen unter die Menschen mischten! Nein, indem ER wirklich einer von UNS wurde.
D.h. Gott wurde um unseretwillen schwach. Er wollte, dass ihm nichts Menschliches fremd bliebe. ER ist nicht so weit weg, wie wir oft glauben. ER entfernt sich nicht aus unserem Dunkel - thront nicht über den Abgründen unseres Lebens. Ganz im Gegenteil: Er will mit Ihnen, mit mir, und mit unseren Problemen und Sorgen zu tun bekommen. Und deshalb heißt es im Johannes-Evangelium: Er wohnte unter uns!
Daraus, liebe Gemeinde, haben die Künstler aller Zeiten das Recht abgeleitet, das Evangelium in ihre Zeit hereinzuholen. Auf den Bildern der großen holländischen Meister – denken Sie nur an Rembrandt! - wird Jesus ein Zeitgenosse. Auf den Bildern der Nazarener - Sie kennen diese weichen-glattrasierten Gesichtszüge! -trägt er die bekannten langen Haare. Und auf dem Kerzenständer aus Ruanda ist er selbstverständlich ein Schwarzer mit Kraushaar!
Was Inkarnation – Menschwerdung – bedeutet, wird am fremden, exotischen Beispiel deutlicher als in der vertrauten Bildersprache UNSERER Kultur: Um einer von uns zu werden, muss Gott vielerlei – also auch exotische! - Gestalt annehmen. Um die Bibel als lebendiges Gotteswort hören zu können, muss sie in viele Kulturen übersetzt werden. Gott will Muttersprache werden!
Ganz anders z.B. im Islam. Der Koran ist nur im heiligen, arabischen Urtext inspiriertes Gotteswort. Kein Wunder, dass der Islam keine Menschwerdung, keine Inkarnation kennt!
Dagegen ist der ruandische Kerzenständer - einst unter schwierigsten Bedingungen nach WdS gekommen! - eine lebendige, aber eben: schwarzafrikanische! –Botschaft!
Im Jahr 1992 bat ich meinen Freund Burkhard Bartel – der gerade aus Ruanda auf Heimaturlaub war – einen hölzernen Osterkerzenständer in Auftrag zu geben. Es brauchte mehr als eineinhalb Jahre und fünf verschiedene Künstler bis das Werk 1994 endlich vollendet wurde. 14 Tage vor Beginn des schrecklichen Völkermords in Ruanda kam der fertige Kerzenständer in Frankfurt am Flughafen an und wurde in einem ökum. Abendgebet am 21. April 1994 seiner Bestimmung übergeben. Unübersehbar predigt er die Inkarnation, denn selbst die Engel, die Boten Gottes, sind schwarz!
Eine ständige Erinnerung daran, dass das Wort „Fleisch werden“ – dass das Evangelium in die jeweilige Kultur eingehen - muss.
Nun leuchtet das am konkreten Beispiel leicht ein (Pls würde sagen: „den Schwarzen ein Schwarzer werden!“) – aber wie sieht das sonst aus? Gelingt uns denn in der kirchlichen Arbeit die Inkulturation des Evangeliums in fremde Lebenswelten in der eigenen Gesellschaft?
Die moderne Milieuforschung hält uns da einen sehr kritischen Spiegel vor: die sonntäglich versammelte Gemeinde komme häufig – in Ruanda würde man sagen – aus einem ganz bestimmten „Stamm“ und spreche ihre ganz eigene Sprache. Schon für den Nachbarstamm – vielleicht nur wenige Jahre jünger und ein bisschen anders sozialisiert – seien unsere Gottesdienste Fremdsprache, terra incognita.
Bischof Huber sagte neulich rückblickend: „Zu überlasteten Alleinerziehenden fällt uns der Zugang ebenso schwer wie zu verbitterten Hartz-IV-Empfängern.“ Und ich ergänze: „Zu Krisen-gestressten Wirtschaftsführern ebenso wie zu gelangweilten Intellektuellen?“
Wo also „wird das Wort Fleisch auch für SIE.“?
Ausgerechnet ein ruandischer Kerzenständer erinnert daran, dass das Evangelium auch in einer westlich, postmodernen Gesellschaft stets neue Gestalt gewinnen will. Die Botschaft von der Menschwerdung Gottes bleibt eine bahnbrechende Neuigkeit – allerdings versteht inzwischen kein Konfirmand mehr den Satz „Das Wort ward Fleisch“! Was tun?
Brauchen wir neue Übersetzungen – wie zuletzt die Bibel in „gerechter Sprache“?
Das allein wird nicht helfen, das Wunder aller Wunder heißt nicht „Das Wort ward Schrift“ – oder: Gott wurde Inhalt von heiligen Texten. Nein, der christliche Glaube kennt – anders als der Islam – keinen vierten Artikel: Wir glauben an die Heilige Schrift. Wir glauben ausschließlich an den dreieinigen Gott – in ganz unterschiedlichen, aber immer personalen Offenbarungsformen: als Schöpfer, als Retter und als Heiliger Geist. Und in dieser 3. Offenbarungsweise sorgt Gottes Geist dafür, dass die Menschwerdung Gottes bis heute ihre Fortsetzung findet. Dass Sie und ich, Boten und Botinnen der Guten Botschaft werden. Dass das Wort in UNSEREM Leben „Fleisch“ wird.
Erinnern wir uns: „Fleisch“ heißt, was vergänglich, was schwach und zuweilen ohnmächtig ist.
Und dazu braucht er Sie und mich. Damit Gott den „Schwarzen ein Schwarzer“ wird, hat ihn der ruandische Künstler in Alltagssituationen Afrikas dargestellt. Damit Gott den Kindern im Kindergarten begegnet – den Jugendlichen im Gemeindehaus – den Senioren im Seniorenkreis – damit er den EDV-Spezialisten und Autobauern einer der ihren wird – dazu braucht es Sie und mich. Sonst würde es ja reichen, wenn wir allen eine Bibel in die Hand drückten.
Vielleicht ist dies der letzte Grund, liebe Gemeinde, dass wir hier vom Wunder aller Wunder sprechen, weil die Menschwerdung Gottes – seine Inkarnation – noch nicht zuende ist. Auch unter uns spricht Gott nicht in abstrakten Begriffen und ewigen Wahrheiten sondern durch konkretes Leben. Er will unseren Zeitgenossen, die so vielen verschiedenen Milieus angehören, durch uns begegnen. Deshalb braucht es in der Kirche die vielen Glieder, weil dieser Aufgabe nie einer oder eine allein gerecht werden kann.
Ich weiß, das ist Zuspruch und Anspruch zugleich. Zuspruch, dass Gott uns so sehr wertschätzt und hochachtet, dass er uns braucht und gebraucht. Anspruch, weil wir uns immer wieder fragen: wie kann Gott ausgerechnet durch MEIN Leben andere ansprechen. Spontan fällt mir da eine ganze Liste ein, was sich bei mir ändern müsste. Wo ich keine gut lesbare Botschaft bin! Wo wir als Bodenpersonal Gottes keine gute Werbung machen. Denken wir nur an das Wort Jesu: „Seid barmherzig – wie euer Vater im Himmel barmherzig ist!“ Oder Paulus: „Nehmt einander an, so wie Christus euch angenommen hat!“ Da fehlt noch viel, oder?
Tröstlich für mich deshalb ein Satz Martin Luthers: „Wir sind‘s doch nicht, die die Kirche erhalten könnten. Unsere Vorfahren waren‘s auch nicht. Und die nach uns kommen, werden’s auch nicht sein ...“ - Was für ein Glück: Weder Sie noch ich müssen den Lauf des Evangeliums in der Welt garantieren! Gott selbst, sein guter Geist, bleibt HERR des Verfahrens. Die Kirche ist zuerst Geschöpf des göttlichen Wortes – und nicht, wofür sie sich manchmal selbst hält, eine Institution wie jede andere. Nein, Gottes lebensschaffendes Wort bewirkt, wozu er es aussendet. Aussendet in immer neuer, menschlicher Gestalt. So wie den schwarzen Christus auf dem Kerzenständer, der als Jesuskind in einer afrikanischen Werkstatt mitarbeitet.
Fragen wir uns deshalb heute Morgen, wo Gott Sie und mich braucht? In welcher Gestalt, an welchem Ort, mit welcher Tätigkeit er durch uns seine Güte weitergeben will? Der Kerzenständer aus Ruanda hat für mich eine schlichte Botschaft. Und sie lautet: Nimm dir ein Beispiel an mir, sei auch Du lebendiges, fleischgewordenes Wort Gottes! Amen




































































































