TraumTourTransalp 2009
Bericht von der Radtour 2009
Noch nie war bei den Radtouren der Brenzkirchengemeinde Weil der Stadt in den letzten zehn Jahren das Durchschnittsalter bei einer Radtour so niedrig gewesen wie in diesem Jahr: 13 Teilnehmende waren höchstens14 Jahre alt! Auch sie ließen sich auf das Wagnis einer neuntägigen Alpenüberquerung auf dem Mountainbike ein. Die Route orientierte sich am alten Römerweg Via Claudia Augusta, bot aber auch einige interessante Abstecher. Die Räder waren schon verladen, als in der Nacht vor dem Tourstart ein Teilnehmer mit hohem Fieber erkrankte; statt auf die Tour mitzukommen, musste er das Krankenhaus aufsuchen.
Am 31. Juli folgte der Zugfahrt und dem Transport von Rädern und Gepäck nach Wertach die erste Radetappe. Sie führte erst nach Füssen und den Königsschlössern. Alle fühlten sich noch richtig fit und so nahm die gesamte Gruppe den Anstieg ins Pollattal in Angriff. Hinter der Bleckenau ging es gleich auf fast 1500 m hinauf. Die Abfahrt über den Schützensteig nach Ammerwald hatten sich die meisten allerdings einfacher vorgestellt: Einer machte aus der Abfahrt einen Abflug und fand sich flugs ein paar Meter tiefer im Gras wieder; andere zogen es sicherheitshalber vor das Rad in die Tiefe zu schieben.
Nach der ersten Übernachtung am Plansee begann der zweite Tag mit einer Morgenrunde zum Thema „Beziehungen“. Auch an den folgenden Tagen beschäftigen biblische und praktische Beispielen die Gruppe, bevor es auf Tour ging. Zwei Varianten waren angeboten: einige fuhren um den Plansee und über Lermoos zum Fernpass. Wer etwas mehr fahren wollte, rollte über Griesen nach Garmisch, schob vor der Partnachklamm steil hinauf in Richtung Elmau und fuhr weiter in Richtung Mittenwald, dann südlich des Wettersteinmassivs über Leutasch hinauf zum Igelsee oberhalb der Ehrwalder Alm. Er wurde erst am späten Nachmittag erreicht. Vor der steilen Abfahrt nach Ehrwald erschien eine Stärkung angebracht, denn immerhin stand dann auch noch der Fernpass auf dem Programm – beim aufziehenden Regen kein wahres Vergnügen. Am Abend standen bei der Ankunft am Fernsteinsee über 1700 hm auf dem Tacho!
Dennoch – auch am dritten Tag wagte sich wieder eine Gruppe auf Abwege, durchs Tegestal hinauf zum Dirstentrittkreuz. Hunderte anderer Biker waren ebenfalls auf Transalp-Pfaden unterwegs, aber kaum Teens wie in unserer Gruppe.
Entsprechend bewundernd waren auch viele Kommentare der „großen“ Biker! Andere ließen es gemütlicher angehen, rollten über Nassereith ins Inntal hinab, ab Landeck dann hinauf nach Prutz.
Am Montag war dann nach einer regnerischen Nacht und bei trübem Himmel die Frage: Können wir weiterfahren – oder wäre es vernünftiger dazubleiben und die weitere Tour um einen Tag zu verschieben? Der Wetterbericht versprach Besserung und nach der Überquerung des Alpenhauptkammes am Costainaspass könnte schöneres Wetter auch wahrscheinlicher werden. Also hieß das Motto bald: Nass einpacken in der Hoffnung, dass die Zelte bis zur Nachmittag trocknen!
Die vorgesehene Alternativroute musste zwar wegen Regen entfallen und die Radler kamen gut durchfeuchtet in Sur En an. Doch die Zelte waren trocken und der aufziehende Regen konnte die Laune nicht entscheidend vermiesen.
Ein ruhiger Nachmittag half dazu die Kräfte wieder zu sammeln für den großen Anstieg am nächsten Tag. Nur Wenige nutzten den Postbus für die ersten Höhenmeter. Ab S-Charl saßen dann wieder alle auf den Rädern und traten die letzten 500 hm hinauf kräftig in die Pedale.
Auf der Passhöhe bei 2251 m wehte noch ein kühler Wind, sodass wir die Pause nicht übermäßig ausdehnten. Dann ging es hinab ins Münstertal. Anfangs extrem steil und schottrig, wurde der Weg bald wieder gut fahrbar und ab Lü rollten wir in einer langen Kette zügig in Richtung Prad, wo schon für zwei Tage die Zelte aufgestellt waren.
Am Pausentag besuchten viele das Erlebnisbad nebenan, während eine Gruppe von zehn Leuten sich auf den Weg machte und die 48 Kehren zum Stilfser Joch hinauf bewältigte. Das bedeutete auch einen kontinuierlichen Anstieg von über 1800 hm, den wir alle – ungedopt! - bewältigt haben!
Ein Traum von einer Abfahrt folgte über den Umbrailpass nach St. Maria.
Und schon war es Donnerstag – der letzte Radtag mit 100 km durch den Vinschgau, am Ende noch mit einem Anstieg bei Bozen auf der alten Eisenbahntrasse nach Eppan. Bis die Radelgruppe ankam, hatte sich bei Albrecht der Schock wieder etwas gelegt: Der Campingplatzbesitzer weigerte sich die Gruppe aufzunehmen - trotz schriftlicher Reservierungsbestätigung schon vor Monaten. Bei Hochsaison am Kalterer See – wo soll da eine Gruppe von 23 Leuten unterkommen? Es war eine glückliche Fügung, dass der neue Sekretär vom nahe gelegenen Wohnmobilstellplatz noch keine Ahnung hatte, dass Zelten auf diesem Platz eigentlich verboten ist. Doch als er sein „Ja“ gegeben hatte, waren flugs die Zelte aufgestellt. Als dann der Chef vorbeikam, gab er sich nach einigem Hin und Her mit der Zeit einen Ruck und erlaubte uns für die beiden letzten Nächte da zu bleiben. Da zum Platz auch ein kleiner Privatstrand mit Sanitäreinrichtungen gehörte, war es nicht ganz so dramatisch, dass wir mit allen anderen Gäste des Stellplatzes uns ein einziges WC und eine Dusche teilen mussten …
Am Freitag war ein Besuch bei „Ötzi“ in Bozen angeboten oder einfach wieder ein Tag Baden, bevor es dann am Samstag mit der ganzen Gruppen zum Bozener Bahnhof ging, von wo aus die Zugheimfahrt angetreten wurde.
Froh und wirklich dankbar sind wir für die gute Gemeinschaft und dafür, dass wir in diesem Jahr weder einen Arzt noch ein Krankenhaus aufsuchen mussten! Dabei waren schon auf der Basisstrecke auf 400 km 3700 hm zu überwinden; mit den Alternativen waren es 575 km und 8000 hm: Ein großes Kompliment an die Gruppe, das war echt stark!
Text: Albrecht Fischer-Braun, Fotos: Helmut Renz (Schützensteig, Stilfser Joch), Johannes Ratajczak (Leutasch) , Albrecht Fischer-Braun (Costainaspass, Gruppenfoto)