Seniorenausflug 2016

Ehne, wo isch dei Haus gschdanda?

auf hochdeutsch: Opa, wo ist dein Haus gestanden, diese Überschrift findet man auf einem Bild in der wieder aufgebauten Stephanuskirche des ehemaligen Dorfes Gruorn auf der Münsinger Alb. Es ist ein Großvater mit seinem Enkel, der auf die zerfallene Dorfkirche mit den umliegenden Häuserruinen des „versunkenen Dorfes“ zeigt, das seit 1938 der Erweiterung des angrenzenden Truppenübungsplatzes vollständig weichen musste und dem Zerfall bzw. den Rekruten als Übungsgelände überlassen wurde. Dorthin führte der Ausflug der Senioren am sommerlich warmen 23.Juni 2016.
Von der Ortschaft steht nur noch das wieder aufgebaute Schulhaus mit der neu renovierten Kirche. Die ehemalige Schule ist als Museum  und Gastraum liebevoll hergerichtet. Diakon Gernot Dilger, der diesen Ausflug vorgeschlagen hatte, erzählte bei Kaffee und  Kuchen einiges über die Vergangenheit des Ortes. Viele Dokumente und interessante Utensilien aus  dem Ort und der Schule erinnern an frühere Zeiten. Im OG befindet sich ein originalgetreues  Klassenzimmer mit Schulbank, Tintenfass und Texten in Kurrent Schrift an den Wandtafeln, die einige Teilnehmer sogar noch fließend lesen konnten. Der Ort wurde bereits 1094 genannt, aber erst 1254 urkundlich belegt. Nur die Herkunft des ungewöhnlichen Ortsnamen ist nicht ganz geklärt. Sehr wahrscheinlich stammt er von den Edelfreien Ogge et Cuono de Grourin. Die Kirche ist umgeben von einem schmucken Friedhof. Auf den Gräbern sind viele Wiesenblumen, Margeriten und Rosen zu sehen. Der Innenraum des schlichten Gotteshauses ist ausgefüllt mit Fotos und Schriften aus der Ortsgeschichte. An der Südwand befindet sich ein aus mehreren Segmenten zusammengesetztes Gemälde. Es wurde ersatzweise für das ursprüngliche Wandgemälde „Das jüngste Gericht“ aus dem Jahr 1380 angebracht und will so gar nicht in den schlichten Kirchenraum passen.
Beim anschließenden Rundgang um das ehemalige Dorfzentrum denkt man unwillkürlich an die bis zu 665 Einwohner, die sich von der Landwirtschaft, der Leinenzwirnerei, Weberei und später vom Holzhandel und Holzkohlebrennerei ernährten. Zu sehen ist von den alten Gehöften so gut wie nichts mehr. Wie ein Mahnmal ragt eine stehen gebliebene Giebelwand einsam aus dem Gebüsch. Fragmente der Brunnenanlage sind am Straßenrand gerade noch zu erkennen und bei ganz genauem- Hinsehen sind die Stummel der Straßenbeleuchtung erkennbar. Zum Ausklang gab es ein zünftiges Vesper im nahegelegenen Hofgut Uhenfels. Schnell war  die Zeit ververgangen. Die Busfahrt gestaltete sich kurzweilig. Herr Stöckle hatte hintersinnige Geschichten von Wilhelm Busch und Heinz Erhardt vorgetragen und die jiddischen Witze sorgten für Heiterkeit. Für den schönen Ausflug bedanken wir uns bei der Organisatorin Irene Gastler und allen Helfern.