Konfirmandenarbeit/Konfirmation
Konfirmation ist das eigene „Ja“ zur Taufe. Die große Mehrzahl der Jugendlichen, die sich konfirmieren lassen, wurde bereits als kleines Kind getauft. Dabei haben Eltern und Paten stellvertretend für das Kind "ja" gesagt zur Taufe. Im Konfirmandenunterricht lernen die Jugendlichen die Kirchengemeinde etwas näher kennen, erfahren Grundlegendes zu den wichtigsten Inhalten des christlichen Glaubens. Und können sich mit ihren Fragen auseinandersetzen: Was kann der christliche Glaube – mein Glaube - für mich bedeuten? Wie kann ich mir Gott vorstellen?
In der Brenzkirchengemeinde Weil der Stadt beginnt die Konfirmandenzeit in kleinen Gruppen, die von Eltern geleitet werden. Das erleichtert den Einstieg für die Jugendlichen. Die Kleingruppen bieten auch den Leiterinnen (und vereinzelten Leitern) die Möglichkeit sich mit einem persönlichen Thema wie dem Beten oder den Aufgaben einer Kirchengemeinde zu beschäftigen. Spannend ist für die Eltern immer wieder die Arbeit mit den Jugendlichen und besonders die Erfahrung: Die Zusammenarbeit mit Jugendlichen kann gut gelingen und auch für einen selbst bereichernd sein.
Danach werden die Inhalte in zwei Großgruppen, beim Gemeindepraktikum und einem gemeinsamen Wochenende vertieft. In den letzten Monaten steht die Vorbereitung auf die Konfirmation im Mittelpunkt. Gemeinsam werden Themen für die Konfirmationsgottesdienste gesucht und bearbeitet, Bilder gemalt und Texte verfasst, manchmal auch ein eigenes Glaubensbekenntnis. Eine Band bildet sich, die im Konfirmationsgottesdienst mitwirkt.
Im Mittelpunkt steht nun das eigene Ja zur Taufe und zum christlichen Glauben. In der Taufe wird jedem von uns das Ja Gottes auf besondere Weise zugesprochen. Mit der Taufe wird man in die Kirche aufgenommen und gehört dazu. Konfirmation bedeutet nicht, wie manche meinen, dass man erst jetzt richtig dazugehört. Durch die Konfirmation können die konfirmierten Jugendliche nun auch selbst Pate oder Patin bei einer Taufe werden.
Natürlich ist die Konfirmation ein ganz besonderes Fest für die 13- oder 14Jährigen: An diesem Tag stehen sie im Mittelpunkt! In einer Lebensphase, in der sich viel verändert und manches unsicher geworden ist, hat die Konfirmation auch eine wichtige bestätigende Funktion, nicht nur im Blick auf das konfirmierende, bestätigende eigene Ja. Ihnen wird gezeigt, gesagt: Du bist auf einem guten Weg, begleitet von Gott, begleitet von deiner Familie und von Freunden.
Besonders schön ist es, dass sich viele Konfirmandinnen und Konfirmanden mit ihrer Konfirmation nicht aus der Gemeinde verabschieden, sondern weiter dranbleiben: Eine ganze Reihe der neu Konfirmierten ist auch in diesem Jahr wieder bereit zur Mitarbeit in Jungschar- oder Jugendgruppen.
Konfirmation am 18. März 2012
„Vergebt einander, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus“(Eph 4,32)
Konfirmiert werden: Sebastian Baiter, Levin Barner, Hannah Bleisinger, Emma Böhringer, Julia Geiger, Sophia Keinath, David Klose, Tanja Michel, Jonas Pfaundler, Sebastian Rohrbach, Yvonne Schnepf, Maximilian Starz, Nicole Volk, Helen Walter, Faye Wettengel, Stefanie Wunderlich
10.00 Uhr: Orgelvorspiel und Einzug
Begrüßung
Herzlich willkommen – schön, dass ihr da seid, dass Sie da sind! Seit Ende April waren wir miteinander unterwegs, ihr zehn Mädchen, sechs Jungs, Vikarin Eisenhardt und ich. Es war ein gutes Konfi-Jahr, finde ich, und wir waren gerne mit euch unterwegs. Danken möchten wir gleich zu Beginn all denen, die euren Weg in diesem Jahr unterstützt haben, angefangen mit den Kleingruppen, aber auch durch das Jahr, in Urach, bei den Abendmahlskelchen, beim Schmuck der Kirche draußen und drinnen, bei der tollen Zeitung und der Musik in diesem Gottesdienst: es kann heute ein richtiger Festtag werden.
Und an Sie alle habe ich nun eine Bitte, auch wenn heute manches anders ist: Versuchen Sie einfach selbst mitzumachen, dabei zu sein und diesen Gottesdienst mitzufeiern. Wir feiern nicht uns selbst, wir feiern auch nicht für uns selbst. Wir feiern Gottesdienst im Namen Gottes, der Quelle allen Lebens; im Namen Jesu, dem Grund unserer Hoffnung; im Namen des Heiligen Geistes, der Kraft, die uns belebt und befreit. Amen.
Lied mit Chor: Wo wir dich loben
Texte der Konfi-Gruppe: Warum wir beten
B. Eisenhardt: Bevor wir jetzt gemeinsam beten, möchte ich euch bitten uns zu sagen, was ihr über das Gebet denkt. - Wozu beten wir? Was bedeutet es für euch, dass wir beten können?
Helen: Ich bin froh, dass ich mich auf Gott verlassen kann und dass ich mit allem, was mich beschäftigt, vor Gott treten kann.
Max: Martin Luther hat gesagt: „Das Gebet ist ein Reden des Herzens mit Gott…“ Deshalb ist es mir wichtig, dass ich Ruhe habe zum Beten.
Levin: Gott hat uns versprochen immer für uns da zu sein. Davon möchte ich aber auch etwas merken, wenn ich zu ihm bete. Das ist aber nicht immer so.
Faye: Ich glaube, dass Gott unsere Bitten hört. Er ist immer für mich und für die ganze Welt da. Ihm können wir alles anvertrauen - und es ist bei ihm gut aufgehoben.
Sebastian B.: Mir ist es wichtig an Gott zu glauben und jemanden zu haben, an den ich mich in Notsituationen wenden kann. Jesus hat uns Mut gemacht zu Gott zu beten. Er sagte: „Bittet, so wird euch ge geben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.“
Psalm 23 – AFB/Konfi-Gruppe und Gemeinde
Konfirmanden: Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
Gemeinde: Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.
K: Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
G: Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück;
K: denn du bist bei mir; dein Stecken und Stab trösten mich.
G: Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.
K: Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
G: Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen
mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar. – „Ehr sei dem Vater …“
Gebet
Ja, Gott, manches Gute konnten wir schon erfahren auf unserem Weg durch das Leben. Du hast uns begleitet wie ein guter Freund, du hast uns auch in den schweren Tagen nicht verlassen. Du warst treu, auch wenn wir einen Fehler gemacht haben. Ein großes, mehrfaches Ja steht im Mittelpunkt der Konfirmation heute: dein Ja zu unserem Leben, unser ja des Glaubens zu unserem eigenen Leben und zum Leben mit dir - außerdem das Ja zum Leben in der Gemeinschaft. Denn wir sind froh, dass wir heute mit unserer Familie, mit unseren Freunden und Bekannten dieses Fest feiern können. Wir bitten dich jetzt für diesen Gottesdienst und für diesen Tag: sei du bei uns mit deinem Segen. Lass uns jetzt zur Ruhe finden aus der Unruhe der Vorbereitungen heraus, von der Fahrt und vom Weg hier her. – In der Stille können wir daran denken, was uns beschäftigt und ablegen, was uns bedrückt: Gott, du hörst uns. (Stille)
Du Gott stützt mich; du Gott stärkst mich; du Gott machst mir Mut. Amen.
Lied mit der Band: Shine, Jesus, shine
Texte
A. Fischer-Braun - Einleitung: Ihr habt Euch als Thema für diesen Gottesdienst Abendmahl und Vergebung ausgesucht. - Was ist Euch am Abendmahl so wichtig?
Tanja: Beim Abendmahl erleben wir Gemeinschaft. Wir sind im übertragenen Sinn die zwölf Jünger Jesu, die gemein sam mit ihm sein letztes Mahl einnehmen. Wir erinnern uns an Jesus und verbringen Zeit miteinander.
David: Wir haben das Bild mit dem Kreuz in der Kirche gemalt, weil wir zeigen wollten, was das Abendmahl unserer Meinung nach ausdrückt.
Sebastian Rohrbach.: Beim Abendmahl wird uns vergeben und man schöpft neue Kraft, weil man sozusagen eins mit Christus ist.
Jonas: Wir haben das Bild mit dem roten Herzen gemalt. Das Bild soll zeigen, dass man beim Abendmahl alle anderen liebt und dass das Abendmahl uns alle miteinander verbindet.
Hannah: Unser Bild zeigt den Regenbogen und die Menschen am Tisch darunter.
Sophia: Es bedeutet, dass alle Menschen, egal ob alt oder jung, dick oder dünn, das Abendmahl mitfeiern können. Es ist wichtig, dass man eine Gemeinschaft ist und Frieden miteinander schließt.
Julia: Für eine gute Gemeinschaft ist es wichtig, freundlich zu sein und respektvoll miteinander umzugehen. Wenn es jemand nicht gut geht, sollten die anderen ihm beistehen.
Max: Außerdem sollte niemand ausgeschlossen und beleidigt werden. Jeder sollte so behandelt werden, wie er von anderen behandelt werden will.
Levin: Ich finde es auch wichtig, dass es nicht so viel Streit gibt. Dazu müssen alle in einer Gruppe gleichberechtigt sein. Wenn es Probleme gibt, sollte man darüber reden. Schließlich gibt es immer irgendeine Lösung.
Stefanie: Auf unserem Bild sieht man eine Kette von Menschen, die sich in einem Herz aufgestellt haben. Das steht dafür, dass wir alle eine Gemeinschaft sind und jeden aufnehmen, egal was für Fehler er macht und wir so friedlich zusammen leben können.
Yvonne: Aber sollte man wirklich allen Menschen vergeben? Das geht doch gar nicht! Könntest Du es wirklich verge ben, wenn jemand das zerstört, das dir in deinem Leben am Wichtigsten war?
Hannah: Stimmt. Oft ist es nicht leicht anderen zu vergeben. Wir haben Angst, dass die Menschen ihr Verhalten nicht ändern und uns wieder wehtun. Aber es ist gut, dass Gott allen Menschen vergibt, wenn sie etwas bereuen.
Sebastian Rohrbach: Gott ist wie ein gütiger Vater, der uns als seine Kinder liebt. Auch wenn er nicht alles gut findet, was wir tun - das ist wie bei unseren Eltern: Sie halten zu uns, egal, was passiert.
Faye: Ich finde es gut, dass Gott gnädig ist. Schließlich hat je der eine zweite Chance verdient. Jeder macht manch mal Fehler und da ist es wichtig, dass wir uns auch ge genseitig vergeben.
Gemeinsames Lied:
1. Du, meine Seele, singe, wohlauf und singe schön dem, welchem alle Dinge zu Dienst und Willen stehn. Ich will den Herren droben hier preisen auf der Erd; ich will ihn herzlich loben, solang ich leben werd.
3. Hier sind die starken Kräfte, die unerschöpfte Macht;
das weisen die Geschäfte, die seine Hand gemacht:
der Himmel und die Erde mit ihrem ganzen Heer,
der Fisch unzähl´ge Herde im großen wilden Meer.
6. Er ist das Licht der Blinden, erleuchtet ihr Gesicht,
und die sich schwach befinden, die stellt er aufgericht´.
Texte
B. Eisenhardt: Zu zwei Bildern haben wir bisher noch nichts gehört. Nicole, kannst Du etwas zu Eurem Bild sagen?
Nicole: Auch in unserem Bild ist Vergebung wichtig. Die Hände stehen für Vergebung, das Brot und der Kelch weisen auf das Abendmahl hin. Die Taube auf unserem Bild steht für Frieden.
Frieden ist für Euch wichtig. Was meint Ihr, was Ihr auch selbst zum Frieden beitragen könnt?
Helen: Man kann in der eigenen Familie und bei seinen Freunden beginnen, indem man keinen Streit anfängt. Zwar sollte man auch die Wahrheit sagen, selbst wenn ein anderer sie nicht hören möchte, aber man kann sich doch bemühen freundlich zu sein.
David: Jesus hat gesagt, dass man sogar seine Feinde lieben soll. Das ist im Alltag nicht leicht, zum Beispiel wenn man jemanden nicht mag. Vielleicht sollte man es aber trotzdem versuchen.
Yvonne: Man kann sich auch für den Frieden weltweit einsetzen, zum Beispiel indem man für Gerechtigkeit eintritt. Denn oft liegt es nur an der ungerechten Verteilung, dass Menschen in anderen Teilen der Welt nicht genug zu essen haben.
Stefanie: Außerdem kann man mit Plakaten auf das Thema hinweisen und sich dafür einsetzen, dass auch die Religionen toleranter miteinander umgehen.
Emma: Die Friedenstaube ist auch auf meinem Bild. Das Brot, der Kelch und das Obst stehen auch für das Abend mahl. Die Trauben weisen darüber hinaus auf das Gleichnis der Arbeiter im Weinberg hin. Die Kerze steht für Jesus, das Licht der Welt. Die Inschrift ICHTHYS bedeutet Jesus Christus Gottes Sohn, Retter. Die bei den Hände stehen zum einen für Vergebung und Versöhnung, zum anderen sind das die Hände von Gott und einem Menschen, denn ich finde beim Abendmahl ist man Gott näher.
Was ist Euch denn sonst noch am Glauben wichtig?
Sophia: Ich freue mich, dass Gott mich auf dieser Welt haben will. Er hat mich gemacht. Ich bin gesund und bisher hat er mich vor schlimmen Verletzungen bewahrt. Dafür bin ich dankbar.
Julia: Wir können unser Leben auch genießen und Spaß haben. Es ist schön Freunde zu haben, die einen mögen und eine Familie, die einen lieb hat.
Sebastian Baiter: Mir ist wichtig, dass ich auf Gott zählen kann. Seit ich getauft bin, gehöre ich zur Kirche. Das heißt, dass Gott mich segnet und auf meinem Weg begleitet.
Tanja: Meine Eltern haben mich taufen lassen, weil sie mir helfen wollten einen Glauben an Gott zu finden. Darüber bin ich froh.
Nicole: Gott hat mich in der Taufe in sein Reich aufgenommen. Heute lasse ich mich konfirmieren, weil ich weiter an Gott glauben will und ihm immer ein Stückchen näher kommen möchte.
Jonas: Dieses Mal sage ich selber "Ja" zu meinem Glauben. Das heißt, ich gehöre zur Kirche, weil ich es will.
Ansage Barbara: Wir haben jetzt einiges darüber gehört, was Euch am Glauben wichtig ist und was Euch das Abendmahl bedeutet. Der Chor nimmt das in seinem nächsten Lied auf. Wir hören..
Chor: Lamb of God
Glaubensbekenntnis
Predigt
Wie ihr die Kraft der Vergebung beschrieben habt, das finde ich richtig stark. Ich nehme euch das ab, wie wichtig es für euch ist, dass wir Menschen zu einer Gemeinschaft zusammenfinden können. Wir konnte das bei euch merken, so wie ihr in der Konfi-Gruppe miteinander umgegangen seid: Ihr wart recht vorsichtig, manchmal erstaunlich still – aber auch respektvoll; auch dann, wenn ihr eine andere Meinung hattet als andere in der Gruppe – das war euch schon bewusst.
Und ihr wisst, dass manches auch noch nicht ganz so ist, wie ihr es gesagt habt. Das konnte man schon spüren. Es gelingt halt nicht immer, alle mit rein zu nehmen – manchmal können wir nicht so einfach über unseren Schatten springen; es gibt Probleme, die lassen sich nicht aus der Welt reden. Und wir können nicht alles und jedem einfach vergeben. Auch da stimmen hier wahrscheinlich alle zu. Und trotzdem ist es gut, wenn wir uns klarmachen und sagen, was wir wollen, wie es sein soll.
Ja, Ihr habt durchaus eine Vorstellung von dem, wie eine optimale Gemeinschaft aussehen soll. Und doch habt ihr vorhin gesagt, dass jeder mal Fehler macht. Jeder tut mal einem anderen weh, und was macht man dann? Klar, man bittet einander um Verzeihung. In der Schule habe ich das schon manchmal so mitbekommen: Da streiten zwei, dann kommen die Lehrer. Der sagt, man soll sich entschuldigen und sich die Hand geben und dann ist wieder alles gut. Manchmal klappt das. Manchmal reicht so eine Geste, wie sich gegenseitig die Hand zu geben.
Doch manchmal lässt sich ein Streit, ein Konflikt oder auch ein Fehler, den eine Person gemacht hat, nicht durch einen kurzen Handschlag klären. Vergebung und Versöhnung ist kein Staubsauger, der einfach mal alles einsaugt, was da los war. Nein, man kann nicht jedes Mal, wenn man einen Fehler gemacht, oder jemanden enttäuscht hat um Verzeihung bitten und dann kommt die Vergebung auf Kopfdruck wie bei einer Maschine. Wenn es um Dinge geht, die jemanden wehgetan, sei es nun köperlich oder seelisch, ist Vergebung nicht so billig. Wenn man das, was jemand tut, einfach nur wegwischen würde, dann würde man niemanden ernst nehmen. Man würde die Person nicht ernst nehmen, die selbst gehandelt hat. Und man würde auch die Person nicht ernstnehmen, die leidet.
Das habe ich bei euch so gehört: es geht in erster Linie um die Beziehungen zwischen uns Menschen. Wenn jemand etwas klaut, ist das eine Sache – wenn uns aber ein Freund beklaut, dann geht es nicht darum, was das wert ist, was geklaut wurde. Viel wichtiger ist, dass mein Vertrauen zerstört wurde. Wenn dann Vertrauen wieder aufgebaut werden soll, spielt die Wahrheit eine wichtige Rolle.
Auch sonst, wenn jemand etwas verschuldet hat, dann wollen wir wissen: warum? Welche Gründe gibt es, dass er – oder sie – das getan hat? Wenn das geklärt ist, wenn jemand dann auch bereut; wenn man das, was getan wurde und geschehen ist, gemeinsam anschaut, dann kann neues Vertrauen entstehen. Aber man muss sich dem stellen, was man getan hat.
In dem Vers aus dem Epheserbrief, der über unseren Gottesdienst steht, wird klar gesagt, warum wir vergeben sollen – und warum wir vergeben können: weil Gott uns auch in Jesus Christus vergeben hat. Das ist gerade kein Thema, das Viele beschäftigt. Wir sind, meistens jedenfalls, weit entfernt von Martin Luthers Frage „Wie kriege ich einen gnädigen Gott?“ Wir fragen eher, wie Gott so ein schreckliches Unglück wie im schweizerischen Tunnel zulassen konnte. Denn es muss doch eine Ursache geben, einen Grund – einen Schuldigen. Und wenn das geklärt wäre, dann könnte es vielleicht einen Ausgleich geben.
Unser Glaube bringt noch etwas ganz anderes ins Spiel: Vergebung hängt nur manchmal mit einem solchen Ausgleich zusammen. Vergebung schafft eine neue Ausgangslage – wie die vielen ausgestreckten Hände auf euren Bildern. Da ist nicht immer komplett aus dem Weg geräumt, was war, aber es liegt offen auf der Hand. Und dann kann auch geschehen, dass jemand sagt: „Ich vergebe dir!“ So wie Gott das getan hat und sagt, der in Jesus Mensch wurde – und der sogar vergeben hat, was Jesus angetan wurde. Ich glaube, was mal jemand so gesagt hat: Wenn Gott diese Tat vergeben hat, dass sein Sohn ermordet wurde, dann gibt es nichts, was Gott nicht vergibt.
Ich finde, dass eure Bilder und Gedanken auch für uns Erwachsene ein gutes Signal sind: Wenn Konfirmandinnen und Konfirmanden so viel verstanden haben, was Vergebung von Gott und zwischen uns Menschen bedeutet, dann ist das für mich ein schönes Hoffnungszeichen. – Wir wünschen euch, dass auch ihr selbst immer wieder Vergebung erfahrt und euch neue Hoffnung gibt – auch da, wo ihr sie gar nicht vermutet. Amen.
Lied: Gut, dass wir einander haben

Frage an die Konfirmandinnen und Konfirmanden
Ihr seid getauft, und bei der Taufe der meisten von euch wurden die Eltern und Paten gefragt, ob sie für euch die Taufe wollen. Ihr Ja kann eure eigene Antwort nicht ersetzen - nun seid ihr selbst gefragt, ob ihr mit allen anderen Getauften zur Kirche und zu Jesus Christus gehören wollt. Ihr lasst euch heute konfirmieren; das ist ein Teil eurer Antwort.
Ich frage euch nun auch: wollt ihr das annehmen, was euch in der Taufe geschenkt ist, dass ihr zu Gott gehört, der Ja zu euch sagt durch Jesus Christus und euch begleitet mit seinem guten Geist, Dann sagt dazu euer Ja!
– Ja, Gott helfe uns. Amen.
Gebet mit Eltern und Paten
Pate/Eltern von Tanja Michel:
Gott, dir verdanken wir unser Leben.
Du hast uns bis heute begleitet und bewahrt.
Wir bitten dich: Gib unseren Mädchen und Jungen
deinen guten Geist, dass sie erkennen, was gut ist -
für sie selbst und für andere, was weiterhilft
und zum Leben führt. -
Wir sprechen gemeinsam: Gott, erhöre uns.
Pate/Eltern von Sebastian Baiter:
Guter Gott, gib ihnen Mut und Geduld,
dass sie der Spur Jesu folgen können
und Verführungen widerstehen.
Wenn sie einmal stolpern oder fallen,
dann lass sie Verständnis und Hilfe finden,
Einsicht und neue Hoffnung.
Wir sprechen gemeinsam: Gott, erhöre uns.
Pate/Eltern von Helen Walter:
Guter Gott, wir bitten dich für uns selbst:
Hilf uns dazu, dass wir ihnen verständnisvolle Begleiterinnen
und Begleiter für sie sein können. -
Wir sprechen gemeinsam: Gott, erhöre uns.
Pate/Eltern von Tanja Michel:
Dir, guter Gott,
vertrauen wir die Jugendlichen auch jetzt wieder an
und bitten: begleite und bewahre du sie auch weiterhin,
Gott Vater, der uns beschützt - Jesus Christus, der uns befreit - Geist, der uns zur Wahrheit leitet. -
Wir sprechen gemeinsam: Gott, erhöre uns. Amen.
Lied mit Band: One Way Jesus
Einsegnung und Übergabe der Denksprüche
Wir wollen jetzt euch alle segnen. – Euren Weg wollen wir Gott anbefehlen, der euer Freund sein und bleiben möchte; Gott möge seinen Segen wie eine begleitende und schützende Hand über und auf euch legen. Wir wollen jeder und jedem einzelnen Mut zusprechen für euren Weg des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe – und wir hoffen, dass das ein Weg des Friedens wird für euch und für andere. Bitte begleiten Sie diejenigen, die gesegnet werden im Stillen für sich, als guten Wunsch oder als Gebet. Frau Brinkmann und Herr Martin übergeben euch dann eure Denksprüche.
Chor: Ihr seid das Salz
Abendmahlsfeier
[A] Dass Gott ein Freund des Lebens ist, hat Jesus auch damit gezeigt, dass er mit vielen Menschen gemeinsam gegessen und getrunken hat. Das gemeinsame Abendmahl kann nun auch ein kleines Zeichen dafür werden, dass wir zu Gott gehören und dass Gott uns einlädt.
[B] Gott sagt auch heute Ja zu unserem Leben, befreit uns von dem, was uns belastet – und hilft uns , dass wir auch immer wieder aufeinander zugehen können. Gemeinsames Essen und Trinken kann Menschen verbinden. Das ist aber auch immer wieder schwierig, vielleicht auch jetzt. Wir kennen uns kaum – und sollen gemeinsam feiern, sollen eine Gemeinschaft sein? Zu den Zeichen des Abendmahls, zu Brot und Saft können wir Gott bitten:
Gott, du Freund des Lebens, lass das Brot, das wir teilen für zum Brot des Lebens werden, das uns stärkt. Lass den Saft der Trauben für uns zum Zeichen des Friedens und Heiles werden Hilf, dass uns beides mit dir und untereinander verbindet. Amen.
[A] Wir erinnern uns an das letzte Mahl Jesu im Kreis seiner Jüngerinnen und Jünger. Als Jesus kommen sah, was geschehen würde, nahm er das Brot ...
Zeichen sind bedeutsam, weil sie etwas zeigen können. Brot und Wein können jetzt ein Symbol für gelingendes Leben werden: wir geben einander weiter, was wir bekommen. Wir feiern Vergebung und Befreiung, Zusammensein in Frieden. Ich lade Sie zum Friedensgruß ein: reichen Sie doch einander jetzt die Hand – auch wenn Sie den Menschen neben sich nicht kennen, geben Sie einfach den Friedensgruß weiter: „Friede sei mit dir!“
Ansage: zuerst bekommen die Konfis im Kreis hier vorne Brot und Kelch – als Kelche habt ihr eure eigenen, von euch selbst getöpferten Tonbecher, die ihr nachher dann auch mitnehmt. - Austeilung vorne
Weitere Ansage: Nun bekommen Sie alle Brot und Kelch an Ihren Platz. Sie sind alle eingeladen zum Mitfeiern, unabhängig von Ihrer Konfession: Wir alle sind eingeladen von Jesus Christus. Seine Einladung geben wir weiter. Sagen Sie deshalb beim Weitergeben dazu, was das Brot und der Kelch bedeuten: „Das Brot des Lebens“ – „der Kelch des Friedens“. - Wenn Sie von Brot und Saft nichts nehmen möchten, geben Sie es bitte einfach weiter.
Fürbittenrap
1) Lasst uns beten für die Menschen, die wir jeden Tag sehn.
Für den Partner, für die Kinder, die den Weg mit uns geh'n.
Was wir wollten, was wir sollten, was wir mal versprochen haben ist nicht das, was wir geben, leben, tun an allen Tagen. Herr, du siehst unsre Not, siehst die Liebe, die uns fehlt, unsre Kraft reicht nicht aus, wenn deine Liebe uns nicht hält.
Refrain: Fülle uns mit deinem Geist, gib uns Glaube, Liebe, Hoffnung, voll Vertrau-//en bitten wir dich: (Kehrvers singen)
2) Lasst uns beten für die Kirche, Gottes Volk auf der Erde, für die eigene Gemeinde, dass sie die Familie werde nach der sich die Menschen sehnen, die die Kirche nicht versteh'n, die am Rande steh'n, ins Unheil geh'n, dir den Rücken zudreh'n. Herr, du weißt was uns fehlt / gib uns deine Liebe, dass sie uns als Band zusammen hält.
3) Lass uns beten für die Menschen, die uns jeden Tag umgeben, unsre Freunde, unsre Nachbarn, // unsre Kollegen, ganz egal, ob sie dich kennen, du liebst sie von ganzem Herzen, du weißt, was in ihnen vorgeht, kennst ihr Leid ihre Schmerzen, Lass uns sehen, lass uns geh'n, ihnen deine Liebe bringen, lass die Dinge, die wir singen in ihr Herz vordringen.
Vater unser und Bekanntgaben
1. Komm, Herr, segne uns, dass wir uns nicht trennen, sondern überall uns zu dir bekennen. Nie sind wir allein, stets sind wir die Deinen. Lachen oder Weinen wird gesegnet sein.
2. Keiner kann allein Segen sich bewahren. Weil du reichlich gibst, müssen wir nicht sparen. Segen kann gedeihn, wo wir alles teilen, schlimmen Schaden heilen, lieben und verzeihn.
3. Frieden gabst du schon, Frieden muss noch werden, wie du ihn versprichst uns zum Wohl auf Erden. Hilf, dass wir ihn tun, wo wir ihn erspähen - die mit Tränen säen, werden in ihm ruhn.
4. Komm, Herr, segne uns, dass wir uns nicht trennen, sondern überall uns zu dir bekennen. Nie sind wir allein, stets sind wir die Deinen. Lachen oder Weinen wird gesegnet sein.
Segen
Nachspiel und Auszug
Konfirmation am 3. April 2011
Konfirmation am 3. April 2011: |
Texte der Konfi-Gruppe: Warum wir beten
Bevor wir jetzt gemeinsam beten, möchte ich euch bitten uns zu sagen, was ihr über das Gebet denkt. - Wozu beten wir? Was bedeutet es für euch, dass wir beten können?
Pauline: Beten bedeutet für mich sich Gott anvertrauen. Ich kann Gott alle meine Sorgen sagen. Martin Luther hat gesagt: „Das Gebet ist ein Reden des Herzens mit Gott…“ Ich glaube, dass ich Gott von meinen Problemen erzählen kann - und dass ich danach von meinen Problemen frei bin.
Karol: Und wenn es Gott gar nicht gibt? Dann hat das doch gar keinen Sinn.
Lea: Also - ich vertraue Gott. Ich glaube, dass Gott existiert und dass er immer für mich da ist! Jesus hat uns Mut gegeben zu Gott zu beten. Er sagte: „Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.“
Zaria: Ich bete, wenn ich Gott um etwas bitte, auch wenn ich um Verzeihung bitten will - oder wenn ich mich für etwas bedanken möchte. Ich bete auch dann, wenn es etwas Schwieriges gibt und ich mit niemandem darüber sprechen kann. Beten heißt für mich, dass es immer einen guten Zuhörer gibt, der mir auch hilft, wenn ich oder andere Hilfe brauchen.
Text zum Thema
Das Thema für unseren Konfirmationsgottesdienst heute stammt aus einem Lied von Michael Jackson, das ihr nach intensiver Diskussion ausgewählt hat. Was gefällt euch denn an diesem Lied, warum ist dieses Thema für euch so wichtig?
Laura: Dieses Lied passt von seinem Text her gut zur Konfirmation. Außerdem klingt es einfach gut. Das Lied spricht aus, dass es um die gesamte Menschheit geht und dass wir zu Gott gehören.
Nicole: Wir können gemeinsam viel bewirken, wir können helfen, ja: wir können die Welt verändern. Auch wenn wir uns alleine nicht stark genug fühlen, können wir doch zu anderen halten; wir werden unterstützt - und schließlich geht es ja um die Gemeinschaft auf der ganzen Welt!
Alexandra: Das drücken auch die vielen berühmten Sängerinnen und Sänger aus, indem sie gemeinsam singen: Es geht um die Gemeinsamkeiten aller Menschen. Wir haben zu dem Lied „We are the world“ ein Bild gemalt. Wir haben hier die Weltkugel dargestellt mit Menschen verschiedener Herkunft, die sich an den Händen halten und damit darstellen sollen, dass alle Menschen gleich viel Wert sind, egal, welche Hautfarbe sie haben.
Karol: Wir haben das Auge mit der Weltkugel innen drin gemalt um zu zeigen, dass alle Menschen gleichberechtigt sein sollten und niemand vernachlässigt werden sollte. Alle Menschen sollen eine Einheit sein und zusammenschmelzen. Deswegen haben wir es symbolisch als die Welt im Inneren eines Auges dargestellt.
… und wir hören nun einen Ausschnitt aus „We are theo world“.
Liedeinspielung
In diesem Lied wird betont, dass Vieles an uns liegt, dass wir eine Wahl haben, dass Gott uns gezeigt hat, wie wir handeln können. Es geht um eine Veränderung, hin zu einem besseren Leben. Wo wäre denn so ein Wechsel besonders wichtig?
Sarah: Ich meine, dass es nicht richtig ist, dass wir Strom durch Atomkraftwerke produzieren. Die Kraftwerke sind nicht sicher genug - und kein Mensch weiß, wohin mit dem Müll.
Ramona: Jesus hat mal gesagt: „Die Wahrheit wird euch frei machen“ und ich glaube: das stimmt Es gibt viel zu viele Lügen. Meistens spürt man das. Man merkt: „Das ist eine Lüge.“ Lügen zerstören, was man hat, zum Beispiel in einer Freundschaft. Wer lügt, kann kein Vertrauen aufbauen. Auch, wenn es schwer fällt, sollte man die Wahrheit sagen.
Laura: Unser Bild stellt zwei Menschen dar, welche sich an den Händen halten. Die beiden Menschen sind unterschiedlicher Herkunft und reich wie arm. Durch ein Brot, welches beide in den Händen halten, werden sie gleichgestellt.
Chris: Ich habe mein Bild so gemalt, weil ich es einfach cool finde und weil mir wichtig ist, dass man nicht rassistisch ist - und dass Menschen mit verschiedenen Hautfarben gleichberechtigt sind. Ich glaube, dass es ganz wichtig ist, wie wir miteinander umgehen. Bei mir ist eine Person in der Klasse, der keiner mehr vertrauen will, weil sie schon so oft gelogen hat. Eigentlich kann man ihr nicht mehr verzeihen; sie hat auch schon Vielen wehgetan. Aber ich weiß auch, dass sie selbst von ihren Eltern geschlagen wird.
Zaria: Auf diesem Bild erkennt man einen verzweifelten Menschen, der Gott um Verzeihung bittet. Er hofft auf Vergebung. Gott traut uns viel zu. Er hat uns die Erde anvertraut und wir sollen sorgsam mit ihr umgehen.
Texte zum Thema
Ihr habt uns gesagt und gezeigt, was euch im Leben wichtig ist. Was hat das alles mit unserem christlichen Glauben zu tun - wie seht ihr das?
Nicole: Ich glaube, dass wir Gott brauchen - aber auch, dass Gott uns will und braucht um diese Welt zu erhalten. Gott hilft uns dabei, er hat uns so geschaffen, dass wir selber entscheiden können, was wir tun und was wir lassen.
Sarah: Gott will, dass wir auch Spaß am Leben haben, dass wir es genießen können und nicht immer nur eingeschränkt leben. Wir sollten aber auch die Grenzen anderer achten und nicht überschreiten. Aber jeder kann auch einmal einen Fehler machen. Darum ist es gut, dass Gott uns vergibt, weil wir Fehler einsehen und daraus lernen können.
Alexandra: Gott will Frieden auf der Welt, dass wir Menschen wie Brüder und Schwestern zusammen leben und füreinander da sind. Wir können darauf vertrauen, dass Gott immer für uns da ist, auch wenn wir eine Sünde begangen haben: Er zeigt uns, was falsch war - aber mir selbst wird vergeben. Gott gibt mir eine zweite Chance und nimmt die Last meines Fehlers von meinen Schultern.
Pauline: Ich bin dankbar, dass Gott mir mein Leben gegeben hat. Ich kann meinen Weg von Gott leiten lassen, ich bin Gott dankbar, dass es mich gibt und wie ich leben kann. Deshalb lasse ich mich konfirmieren. Ich sage damit ja zu meinem Leben von Gott, zu meiner Taufe und zur Gemeinde - auch wenn ich nicht genau das Gleiche glaube und denke wie alle anderen hier.
Ramona: Das gefällt mir am Abendmahl gut: Wir erinnern uns daran, wie Jesus mit vielen verschiedenen Menschen zusammen war, Brot und Wein gesegnet und geteilt hat. Wenn wir Abendmahl gemeinsam feiern, teilen wir Jesu Barmherzigkeit und folgen seinem Beispiel.
Lea: Und wir erinnern uns daran, wie Gott unser Zusammenleben meint, dass er Gerechtigkeit will, dass Gott uns dazu will und braucht, damit unsere Welt erhalten bleibt und wir gut zusammenleben.
Predigt
Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Gemeinde,
„There comes a time, when we heed a certain call“ - bei der ersten Zeile von Michael Jacksons Lied dachte ich erst an einen Tippfehler, aber die deutsche Übersetzung klingt ja gleich: „Es kommt die Zeit, wenn wir einen bestimmten Aufruf brauchen“. Falsch. Das müsste nicht „need“ heißen und es meint auch nicht „brauchen“. „heed“ heißt „beachten“, und schon klingt das anders: „Es kommt die Zeit, wenn wir einen bestimmten Aufruf beachten“.
Ist diese Zeit da? Und welchen Aufruf beachten wir? Liebe Erwachsene hier: Nach einem Jahr Konfiarbeit mit euch kann - und möchte ich - erst einmal für euch sagen: Ich konnte immer wieder merken, dass das nicht stimmt, was man oft über Jugendliche heute sagt von wegen gleichgültig oder unpolitisch, lasch oder v.a. an sich selbst interessiert. Ich habe mich gewundert, wie manche von euch deutlich gesagt haben, dass der Satz zu den Atomkraftwerken drinbleiben soll - auch wenn die Abstimmung denkbar knapp war. Manchmal frage ich mich, wann wir Erwachsenen noch viel lauter und kritischer gefragt werden: Habt ihr das gar nicht beachtet, wie euer Lebensstil die Erde zerstört hat? Kann es euch wirklich entgangen sein, dass die geizige Gier nach immer mehr eben kein echtes Wachstum bringt, sondern eine große Welle der Verarmung vor sich her schiebt und vor allem an die Ränder der „entwickelten“ Welt?
Wir haben uns miteinander und mit dem Lied der „Life aid“ dem angenähert, was unser christlicher Glaube heute bedeutet. Für uns standen die großen Fragen im Hintergrund, wer wir sind, woher wir kommen und wie wir die Welt sehen. Aber auch: was ist wahr? Was glauben wir? Was dürfen wir hoffen? Und schließlich: Was sollen wir tun?
Wir sind Gottes Geschöpfe, von Gottes Hand gemacht und durch seinen göttlichen Atem belebt. Gott hält seine Hand über uns, wie es in Psalm 139 heißt - wir stehen mit unserem ganzen Leben, mit unserer Lebenszeit in Gottes Händen. Darauf vertraue ich und glaube, dass wir wirklich Gott vertrauen können - letztlich mehr als dem, was Menschen bewirken. Ja, ich glaube, dass letztlich kein Mensch aus Gottes Hand fällt.
Manchmal wünsche ich mir, unser christlicher Glaube wäre einfacher. Dass klar wäre: Ist Jesus nun ein besonderer Mensch - oder Gottes Sohn? Liegt es an uns, ob diese Welt erhalten bleibt - oder wird es Gott schon richten? Ihr habt immer wieder deutlich gemacht, dass ihr hinter diese einfachen Alternativen schaut. Wie hat es Nicole vorhin gesagt? „Ich glaube, dass wir Gott brauchen - aber auch, dass Gott uns will und braucht um diese Welt zu erhalten.“
Genau so können wir den Auftrag verstehen, den wir Menschen haben und von dem die Bibel schon ganz zu Anfang erzählt: Dass Gott uns gesegnet hat, mit seiner Kraft begleitet, dass wir gute Stellvertreterinnen und Stellvertreter Gottes auf dieser Erde sind. Dass wir unsere Fähigkeiten und Macht gut einsetzen, sie in den Spuren des Lebens einbringen, wie sie Jesus Christus gelegt hat. Jesus hat dazu aufgerufen, dass wir Gott neu entdecken, wie einen Vater oder die eigene Mutter, die ihr gerade vielleicht auch nicht immer versteht (oder wo es uns Erwachsenen mit eigenen Eltern hier und da ähnlich geht): Vertrau darauf - du bleibst in Gottes Hand! Sieh auch im anderen Gottes Ebenbild, einen geliebten Menschen. Wir alle gehören zu Gottes großer Familie, zu einer Gemeinschaft, in der es - wie zwischen Geschwistern eben - auch mal Streit gibt. Dieser Streit soll aber nicht das letzte Wort behalten.
Dafür steht die Geschichte von Jesus, der Gottes Aufruf zu einem gemeinschaftlichen Leben mit letzter Konsequenz in die Welt getragen hat. Menschen haben diesen Aufruf nicht verstanden, Jesus sogar umgebracht. Jesus hat sich gegen das große Überhören des zentralen Aufrufs zum Leben eingesetzt hat für das Leben - und die diesen Aufruf nicht brauchen konnten, hatten genug Macht um Jesus umzubringen. Doch Gott hat ihn nicht im Tod gelassen, sondern hat Jesus neues Leben geschenkt.
Es stimmt: wenn Gott diese Untat, den Mord an seinem Sohn Jesus vergeben hat, dann ist Gott die Vergebung selbst. Dann kann kein Mensch mehr aus Gottes Hand fallen. Dann sind auch wir befreit zu einem Leben aus der Versöhnung. Wir müssen uns nicht ständig neu beweisen, wir müssen nicht zuerst darum kämpfen, dass wir überhaupt einen Platz bekommen, sondern sind gewollt und auch herausgefordert.
Auf euch wartet ein spannendes Leben. Noch weiß niemand, was es für euch bedeutet, dass einerseits Ausbildungs-, Studien- und Arbeitsplätze knapp sind, dass ihr andererseits länger im Berufsleben bleiben sollt als wir heute, weil Arbeitskräfte knapp werden. Der Markt gibt Milliarden aus um euch zu umwerben und achtet zugleich überhaupt nicht darauf, was mit euch selbst ist. Ihr seid aber nicht bloß Kaufkraft, sondern von Gott gewollt.
Ich hoffe, dass ihr davon etwas mitbekommen habt: Wir haben unser Leben aus Gottes Hand - und stehen mit unserer ganzen Lebenszeit in Gottes Hand. Wir brauchen nicht die Hände gegen andere verschließen, sondern können sie öffnen. Nicht wir selbst müssen einen Tag strahlender machen; es geht auch nicht darum nur Sonnentage einzusammeln. Wir können von Gottes Licht etwas weitergeben - und deshalb auch den schattigen oder dunklen Tagen die Hand reichen. Niemand weiß genau, welcher Schritt jetzt der einzig richtige ist; deshalb brauchen wir nicht in allem Eins sein. In aller Verschiedenheit können wir darauf vertraun: Du fällst nicht aus Gottes Hand. Du kannst wirklich dem Leben die Hand reichen. Dazu segne uns Gott. Amen.
Konfirmation 2010
Konfirmation am 21. März 2010
"Gott ist unser Freund" (Weisheit 11,26)
Texte und Bilder der Konfigruppe im Konfirmationsgottesdienst am 21. März
Texte der Konfi-Gruppe: Warum wir beten
Bevor wir jetzt gemeinsam beten, möchte ich euch bitten uns zu sagen, was ihr über das Gebet denkt. - Wozu beten wir? Was bedeutet es für euch, dass wir beten können?
Tamara: Gott ist immer für uns da – wie ein guter Freund. Ich kann mit ihm reden und spüre, dass er mir zuhört. Jesus hat uns Mut gemacht, zu Gott zu beten. Er sagte: „Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.“
Lukas: Glaubst du das wirklich, dass jemand zuhört, wenn man betet? Wir sehen ja Gott nicht, wie wenn wir miteinander reden.
Melina: Ich weiß, aber ich glaube schon, dass Gott dennoch immer bei mir ist und mir zuhört, auch wenn ich ihn nicht sehen kann.
Marvin: Manche beten ja, wenn sie Angst haben. Sie bitten Gott um Hilfe. Meinst Du, dass Beten gegen Angst hilft?
Salome: Ja, ich z.B. bete abends vor dem Schlafen gehen, dann bin ich alle Sorgen los. Ich lege alle meine Sorgen einfach vor Gott ab. Mit allem kann ich zu ihm kommen: Mit meinen Sorgen, wenn es mir oder anderen schlecht geht; oder wenn ich froh bin und ihm danken will.
Sophia: Ich habe noch nie eine direkte Antwort oder gar Tipps von Gott erhalten. Aber es hilft mir, wenn ich mal alles raus lassen kann, was mich bedrückt. Er versteht meine Gefühle, auch wenn es mal kein anderer tut. Darum kann ich zu ihm ein ganz festes Vertrauen haben.
Elena: Für mich ist Beten manchmal wie Tagebuch schreiben oder wie ein innerliches Gespräch. Martin Luther hat gesagt: „Das Gebet ist ein Reden des Herzens mit Gott…“ – und manchmal kann ich mir schon vorstellen, was er zu meinen Fragen und Gedanken sagt.
Texte zum Thema „Freundschaft“
Euch ist das Thema „Freunde und Freundschaft“ besonders wichtig, wenn es um unser Zusammenleben geht genauso wie im Blick auf Gott. Was denkt ihr denn über Freunde und Freundschaften?
Alicia: Mir ist vor allem wichtig, dass wir über alles miteinander reden können und dass meine Freundin für mich immer Zeit hat. So wie diese beiden Mädchen hier, die eine enge Freundschaft miteinander verbindet.
Joachim: Am Anfang war ich mir nicht so sicher, ob ich ihm wirklich vertrauen kann. Doch als wir uns näher kennen lernten, habe ich gemerkt, dass er auch dann zu mir gehalten hat, als mich andere abgelehnt haben. Da habe ich gemerkt, was ein guter Freund ist!
Laetitia: Ein guter Freund lässt mich nicht im Stich und setzt sich für mich ein. Ich bin froh, dass ich mich 100%ig auf meinen Freund verlassen kann! So, wie die beiden Bergsteiger, die sich gegenseitig sichern. Der eine hat sich einen festen Stand gesucht und kann nun den anderen halten.

Sophia: Ich weiß noch gut, wie es mir einmal total mies ging. Da hat sich meine Freundin ganz lieb um mich gekümmert; das vergesse ich ihr nie! Wir haben hier das Conversezeichen als Vorlage benutzt und die Worte umgeändert: Freundschaft – Vertrauen – Liebe sind besonders wichtig.

Silka: Ich finde es toll, dass ich mit meinen Freunden zusammen lachen kann, dass wir echt viel Spaß miteinander haben – oder dass wir auch mal einfach rumhängen und chillen.
Robin: Mir ist besonders wichtig, dass meine Freunde keine Geheimnisse verraten, die ich ihnen anvertraut habe oder mich gar verpetzt.
Dina: Ich weiß noch gut, wie ich mal einen Freund hatte, der immer alles ganz genau wusste. Er wollte immer Recht haben und hat mich ganz schön genervt! Er hat mich dann eines Abends, als wir mal so richtig Krach hatten, angerufen und sich bei mir entschuldigt. Das fand ich total super.
Sonja: Ich finde das gar nicht so leicht zu verzeihen. Wenn es so richtig weh tut, gerade weil dich ein Freund verletzt hat – das fällt mir schwer. Aber ich finde es wichtig.
Konrad: Deshalb haben wir hier zwei zusammengebundene Esel gezeichnet. Sie haben zwar zwei Strohballen zum Fressen, aber sie können nur eine Lösung finden, und die heißt: Zusammen geht es besser!


Sonja: Ich hoffe, dass wir auch weiterhin mit meinen Freunden ehrlich umgehen kann, dass wir uns nicht auseinanderleben und uns plötzlich nichts mehr zu sagen haben.
Lukas: Da ist Jesus für mich ein gutes Vorbild. Wie er mit seinen Freunden umgegangen ist, das war total ehrlich! Er hat ganz offen vom Verrat gesprochen und hat trotzdem Judas nicht verstoßen, sondern sogar mit ihm das Abendmahl gefeiert.
Texte zum Thema „Gott als unser Freund“
Ihr habt uns schon einiges zu Freunden und Freundschaften gesagt. Was hat denn dieses Thema mit Gott und mit unserem Glauben zu tun? Wie stellt ihr euch das vor?
Konrad: Wir können Jesus vertrauen wie einem guten Freund. Er ist den Menschen wie ein Freund begegnet, ist auf sie zu gegangen und hat ihnen neuen Mut gegeben.
Robin Eberhard: Das macht auch mir Mut, wenn ich neue Leute kennen lerne. Die sind ja auch erst mal fremd für mich – aber jeder Fremde könnte auch ein neuer Freund werden!
Dina: Bei Jesus finde ich echt stark, dass er keine Vorurteile hatte. Er hat sich auch vor Krankheiten nicht geekelt, wo die meisten Menschen einen großen Bogen gemacht haben.
Robin Eberhard: Jesus war ein tolles Vorbild. Wenn heute mehr Menschen seinem Vorbild folgen würden, wäre vielen geholfen.
Melina: Und Jesus hat uns Menschen auch eine neue Verbindung zu Gott gezeigt. So wie Jesus freundlich zu den Menschen war, so ist ja auch Gott wie ein guter Freund für uns.
Elena: Aber was heißt das denn – dass Gott ein guter Freund ist? Hast du davon schon mal etwas gespürt?
Tamara: Hören oder fühlen, wie man das bei einer Sache oder einem anderen Menschen kann – na ja, ich weiß nicht. Aber ich vertraue darauf, dass ich Gott jederzeit und an jedem Ort erreichen kann. Mir hat der Vers schon oft geholfen „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“ Das ist für mich wichtig!
Robin Weidle: Mir bedeutet es viel, dass Gott nicht nur da ist, sondern einem auch wirklich hilft. Und dass Gott mir vergibt, wenn ich mal etwas falsch gemacht habe: Auch dann lässt Gott mich nicht im Stich.
Joachim: Das Abendmahl ist für mich ein wichtiges Zeichen dafür, dass ich mit Gott verbunden bin. Hier merke ich, wie ich mit Jesus und anderen Menschen Gemeinschaft habe.
Silka: Jesus hat für uns gelebt, ist für uns gestorben und wurde von Gott auferweckt, damit wir leben können.
Salome: Ich glaube, dass Gott mir mein Leben geschenkt hat, damit ich etwas daraus mache. Gott hat einen Auftrag, ein Ziel für mein Leben! Ich vertraue darauf, dass mein ganzes Leben in Gottes Händen liegt.
Laetitia: Mir ist auch wichtig, dass Gott uns Menschen dabei hilft, dass wir in der Welt mitarbeiten und dazu helfen, dass das Zusammenleben besser wird, dass weniger Menschen Not leiden.
Marvin: Ich möchte mich dem würdig erweisen, dass ich Teil von Gottes Schöpfung bin. Und ich verlasse mich darauf, dass Gott diese Welt nicht zerstören wird, sondern uns dabei hilft sie zu erhalten.
Alicia: Manchmal handelt Gott durch Menschen, die er uns schickt. Und manchmal sind vielleicht auch wir selbst solche Boten, die Gott zu anderen sendet. Wir sollen dem Vorbild von Jesus folgen und können einander helfen.







