Der Reformator Johannes Brenz

Die württembergische Reformator Johannes Brenz wurde 1499 in Weil der Stadt geboren. Er war ein früher Anhänger Martin Luthers und führte in Schwäbisch Hall die Reformation ein. Später holte ihn der württembergische Herzog Christoph nach Stuttgart und beauftragte ihn mit der Neuordnung der Kirche (Große Kirchenordnung 1559). Seine Bedeutung für das evangelische Württemberg kann nicht hoch genug eingeschätzt werden - er prägte die Struktur der Landeskirche, er sorgte für Schulunterricht für Jungen und Mädchen und sein Katechismus ist bis heute  in Gebrauch. Brenz starb 1570; sein Epitaph befindet sich in der Stuttgarter Stiftskirche. In der Brenzkirche erinnert eine Büste an ihn. Sein mutmaßliches Geburtshaus (im 19. Jahrhundert umgebaut) steht nahe der Stadtmauer beim Rabenturm und ist im Besitz der Kirche (Wohnungen und Jugendraum).

Geschichte von Gemeinde und Kirche

Auch in Weil der Stadt fand die neue Lehre rasch zahlreiche Anhänger, doch die Reichsstadt entschied sich, der katholischen Religion ihres kaiserlichen Stadtherrn treu zu bleiben. Die Protestanten mussten die Stadt verlassen. Vom 30-jährigen Krieg bis zum Ende der Freien Reichsstadt Anfang des 19. Jahrhunderts gab es hier praktisch keine Evangelischen mehr.

Erst mit der Zugehörigkeit zum württembergischen Staat und vor allem seit dem Beginn des Baus der Eisenbahnlinie in den Schwarzwald entstand wieder eine kleine evangelische Gemeinde, die zunächst von Schafhausen bzw. Merklingen aus betreut wurde. 1869 stellte ihr der katholische Stiftungsrat die Spitalkapelle für Gottesdienste in Weil der Stadt zur Verfügung. 1887 wurde eine selbständige Pfarrgemeinde mit einer eigenen Pfarrstelle gebildet.

Mit der Errichtung der Johannes-Brenz-Kirche 1889 ging ein großer Wunsch in Erfüllung. Ohne die Sammlung des Gustav-Adolf-Vereins in ganz Deutschland wäre dies nicht so schnell möglich geworden. Spenden kamen auch aus der ,,Privatschatulle“ des württembergischen Königs und von vielen Leuten aus nah und fern. 82.000 Mark kostete damals das Gotteshaus; 1.463,20 Mark der Bauplatz, der vom katholischen Stiftungsrat erworben werden konnte.
Professor Robert von Reinhardt vom Stuttgarter Polytechnikum, seinerzeit einer der bedeutenden Architekten Württembergs, plante und baute die Kirche im neugotischen Stil. Als sakrales Gesamtwerk des Historismus stellt sie heute eines der wenigen weithin original erhaltenen Kirchengebäude des ausgehenden 19. Jahrhunderts dar, das inzwischen unter Denkmalschutz steht.